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Compliance · 10 min · 20. September 2023

Das neue Schweizer Datenschutzgesetz — was Unternehmen wissen müssen

Das Schweizer Datenschutzgesetz wurde grundlegend überarbeitet. Für viele Unternehmen wirkt das Thema komplex — neue Pflichten, neue Begriffe, neue Prozesse, höhere Verantwortung. Gleichzeitig besteht oft Unsicherheit darüber, was sich konkret verändert hat und was tatsächlich umgesetzt werden muss. Wichtig ist: Das neue Datenschutzgesetz verlangt nicht perfekte Systeme — es verlangt nachvollziehbaren und verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten.

Das neue Schweizer Datenschutzgesetz — was Unternehmen wissen müssen

Warum das Gesetz revidiert wurde

Das bisherige Schweizer Datenschutzgesetz stammte ursprünglich aus dem Jahr 1992.

Seitdem hat sich die digitale Realität grundlegend verändert:

  • Cloud-Systeme
  • Plattformen
  • mobile Apps
  • datengetriebene Geschäftsmodelle
  • KI-Systeme
  • internationale Datenflüsse

Das bestehende Gesetz passte immer weniger zu dieser Realität.

Gleichzeitig entwickelte sich international der Datenschutz weiter — insbesondere durch die DSGVO der EU.

Ein wichtiges Ziel der Revision war deshalb: das Schweizer Datenschutzrecht zu modernisieren und international kompatibel zu halten. Dabei blieb der Schweizer Ansatz bewusst pragmatischer als die DSGVO.

Worum es im Kern geht

Das neue Datenschutzgesetz stärkt die Kontrolle von Personen über ihre Daten.

Unternehmen müssen klarer beantworten können:

  • welche Daten bearbeitet werden
  • warum diese Daten genutzt werden
  • wie sie geschützt werden
  • wer Zugriff darauf hat
  • und wie lange sie gespeichert bleiben

Der Fokus liegt stärker auf:

  • Transparenz
  • Nachvollziehbarkeit
  • Verantwortlichkeit
  • Datensicherheit

Datenschutz ist heute kein Randthema mehr

Viele Unternehmen betrachten Datenschutz noch immer primär als juristische Pflicht.

In der Praxis betrifft das Thema jedoch fast alle Bereiche:

  • Marketing
  • CRM
  • Analytics
  • Cloud-Systeme
  • HR
  • Support
  • KI-Anwendungen
  • interne Prozesse

Denn überall dort werden personenbezogene Daten verarbeitet.

Dadurch wird Datenschutz zunehmend zu einem operativen Thema — nicht nur zu einer rechtlichen Formalität.

Die wichtigsten Änderungen

Das neue Gesetz bringt mehrere zentrale Anpassungen.

Das DSG schützt neu nur noch natürliche Personen

Früher waren auch Daten juristischer Personen geschützt.

Neu fokussiert sich das Gesetz auf natürliche Personen.

Damit orientiert sich das Schweizer Recht stärker an internationalen Standards.

Datenschutzhinweise werden wichtiger

Unternehmen müssen transparenter kommunizieren:

  • welche Daten gesammelt werden
  • warum sie bearbeitet werden
  • wie sie verwendet werden
  • und welche Rechte betroffene Personen haben

Datenschutzerklärungen werden dadurch deutlich relevanter als früher.

Bearbeitungsverzeichnisse werden zentral

Viele Unternehmen müssen dokumentieren:

  • welche Daten bearbeitet werden
  • wo diese gespeichert sind
  • wer Zugriff darauf hat
  • welche Systeme beteiligt sind
  • welche Dienstleister eingebunden werden

Das sogenannte Bearbeitungsverzeichnis wird dadurch zu einer zentralen Grundlage.

Sicherheitsvorfälle müssen gemeldet werden

Datenschutzverletzungen mit hohem Risiko müssen dem EDÖB gemeldet werden.

Zum Beispiel:

  • Datenlecks
  • unberechtigte Zugriffe
  • Verlust sensibler Daten
  • grössere Sicherheitsvorfälle

Dadurch steigt die Bedeutung interner Prozesse und Verantwortlichkeiten.

Besonders schützenswerte Daten werden erweitert

Genetische und biometrische Daten gelten neu ausdrücklich als besonders schützenswert.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Gesichtserkennung
  • Fingerabdrücke
  • Gesundheitsdaten
  • biometrische Identifikation

Für solche Daten gelten strengere Anforderungen.

Höhere persönliche Verantwortung

Das Gesetz sieht Bussen von bis zu CHF 250'000 vor.

Wichtig: Die Sanktionen richten sich primär gegen verantwortliche natürliche Personen — nicht nur gegen Unternehmen.

Dadurch steigt die Verantwortung für Geschäftsleitung und operative Verantwortliche.

Was Unternehmen häufig unterschätzen

Viele Unternehmen denken bei Datenschutz zuerst an Cookie-Banner, Datenschutzerklärungen und juristische Dokumente.

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch oft tiefer. Zum Beispiel:

  • unklare Datenflüsse
  • fehlende Übersicht über Systeme
  • unterschiedliche Datenstände
  • unkontrollierte Zugriffe
  • historisch gewachsene Prozesse

Oft weiss niemand vollständig:

  • wo personenbezogene Daten liegen
  • welche Tools sie verarbeiten
  • welche externen Anbieter Zugriff haben

Genau hier entstehen die grössten Risiken.

Datenschutz ist auch ein Strukturthema

Viele Probleme entstehen nicht durch fehlende Absicht — sondern durch fehlende Struktur.

Zum Beispiel wenn:

  • Verantwortlichkeiten unklar sind
  • Prozesse historisch gewachsen sind
  • Daten mehrfach gespeichert werden
  • Systeme nicht sauber getrennt sind
  • Mitarbeitende eigene Workarounds nutzen

Datenschutz wird dadurch direkt mit Prozessqualität verbunden.

Was Unternehmen konkret tun sollten

Der sinnvollste Einstieg ist selten Perfektion.

Wichtiger ist: Transparenz über die eigene Situation zu schaffen.

Sechs Schritte zur Umsetzung des neuen Datenschutzgesetzes
Sechs konkrete Schritte, um das neue DSG im Alltag umzusetzen.

1 — Datenbearbeitung dokumentieren

Zuerst sollte klar werden:

  • welche Daten gesammelt werden
  • in welchen Systemen sie liegen
  • welche Prozesse betroffen sind
  • welche Dienstleister beteiligt sind

Viele Unternehmen unterschätzen bereits diesen Schritt.

2 — Bearbeitungsverzeichnis erstellen

Das Verzeichnis schafft Übersicht:

  • Datenarten
  • Zwecke
  • Systeme
  • Verantwortlichkeiten
  • Speicherorte
  • externe Anbieter

Dadurch entstehen erstmals nachvollziehbare Datenflüsse.

3 — Datenschutzerklärungen aktualisieren

Datenschutzhinweise sollten verständlich, vollständig, aktuell und nachvollziehbar sein.

Nicht nur juristisch korrekt — sondern auch operativ passend.

4 — Dienstleister und Tools prüfen

Viele Unternehmen nutzen Cloud-Systeme, SaaS-Plattformen, externe Tools, Tracking-Lösungen und KI-Anwendungen.

Dabei sollte geprüft werden:

  • wo Daten verarbeitet werden
  • welche Verträge bestehen
  • welche Zugriffe möglich sind
  • welche Risiken entstehen

5 — Prozesse für Vorfälle definieren

Im Ernstfall zählt Geschwindigkeit.

Deshalb sollte klar sein:

  • wer entscheidet
  • wer informiert wird
  • wie Vorfälle dokumentiert werden
  • welche Eskalationswege existieren

Ohne definierte Prozesse entsteht im Vorfall Chaos.

6 — Mitarbeitende sensibilisieren

Viele Datenschutzprobleme entstehen im Alltag:

  • falsche Freigaben
  • unsichere Passwörter
  • unkontrollierte Exporte
  • unklare Abläufe

Deshalb bleibt Schulung und Sensibilisierung zentral.

Nicht als einmalige Pflicht — sondern als laufender Prozess.

Datenschutz ist keine einmalige Übung

Ein häufiger Fehler: Datenschutz wird als einmaliges Compliance-Projekt behandelt.

In der Realität verändern sich laufend:

  • Prozesse
  • Systeme
  • Tools
  • Datenflüsse
  • gesetzliche Anforderungen

Dadurch wird Datenschutz zu einer kontinuierlichen Aufgabe.

KI und Datenschutz werden enger zusammenhängen

Mit zunehmender Nutzung von KI-Systemen gewinnt Datenschutz zusätzlich an Bedeutung.

Denn viele KI-Anwendungen verarbeiten:

  • Kundendaten
  • Kommunikationsdaten
  • interne Dokumente
  • Nutzungsdaten
  • personenbezogene Informationen

Dadurch werden Fragen wichtiger wie:

  • Welche Daten dürfen verwendet werden?
  • Wo werden sie verarbeitet?
  • Wer hat Zugriff?
  • Wie transparent ist die Nutzung?

Datenschutz wird damit zunehmend Teil digitaler Strategie.

Unser Ansatz

Wir betrachten Datenschutz nicht isoliert als juristische Pflicht.

Sondern als Teil funktionierender digitaler Prozesse.

Deshalb schauen wir nicht nur auf Dokumente — sondern auf:

  • Systeme
  • Datenflüsse
  • Verantwortlichkeiten
  • operative Abläufe
  • und technische Umsetzung

Denn gute Datenschutzprozesse entstehen dort, wo Klarheit und Struktur vorhanden sind.

Fazit

Das neue Schweizer Datenschutzgesetz erhöht die Verantwortung von Unternehmen deutlich.

Die grösste Herausforderung liegt jedoch selten im Gesetzestext selbst.

Sondern darin, Transparenz über die eigenen Prozesse und Datenflüsse zu schaffen.

Datenschutz wird dadurch organisatorisch, technisch, operativ und strategisch relevant.

Unternehmen profitieren besonders dann, wenn Datenschutz nicht als reine Pflicht verstanden wird — sondern als Teil sauberer, vertrauenswürdiger digitaler Prozesse.